Anmerkung zur Osteopathie

 

Der menschliche Organismus ist ein dynamisches „chaotisches“ System, das sich nur in Teilbereichen linearwissenschaftlich erklären lässt.

Die Naturwissenschaft sucht Ihre Erkenntnis in Gesetzmäßigkeiten. Zurzeit lässt sich die Wirkungsweise der Osteopathie nach diesen Kriterien nicht erklären. Es gibt im Bereich der Grundlagenforschung neue Erkenntnisse über die Faszien, die für ein wichtiges Arbeitsgebiet der Osteopathie Erklärungsmuster liefern können. Zunehmend werden bildgebende Verfahren, wie Ultraschall und andere valide Messmethoden eingesetzt, um Befunde zu objektivieren und das osteopathische Vorgehen zu überprüfen. Aber in ihrer Gesamtheit stellen die Erklärungen über die Osteopathie Hypothesen dar. Die grundlegende Annahme in der Osteopathie, mit dem Lösen von Blockaden sog. Selbstheilungskräfte anregen zu können, ist bis heute nicht bewiesen.

Insofern handelt es sich bei der Osteopathie um ein Modell mit der wesentlichen Hypothese, dass Bewegungseinschränkungen in unterschiedlichen Bindedegewebsstrukturen zu Beschwerden führen können. Der Osteopath ertastet und behandelt mit speziellen Techniken Mobilitätsverluste von Knochen, Gelenken und Gewebe in den Bereichen der craniosacralen, viszeralen und parietalen Osteopathie. Hierbei folgt er einem ganzheitlichen Ansatz.

Als schulmedizinisch- wissenschaftlich nicht bewiesene Methode ist die Osteopathie als Erfahrungsmedizin zu betrachten, die man dem Bereich der Regulationsmedizin zuordnen könnte (hierzu zählt u. a. die Homöopathie, Akupunktur, TCM, usw.).

Im Umgang mit dem Patienten ist die Osteopathie als Zuwendungsmedizin zu betrachten.

Die Osteopathie ist in mehrerer Hinsicht ein individuelles Verfahren.

Der Osteopath führt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten um dessen Problematik aus unterschiedlichen Gesichtspunkten erfassen zu können.

Der Osteopath ertastet die Störungen, auch dies ist eine schwer objektivierbare Befunderhebung.

Der Osteopath erstellt einen Zusammenhang zwischen seiner Palpation, seinem medizinischen insb. anatomischen und physiologischen Kenntnissen her („thinking fingers”).

Der Osteopath erstellt eine Hypothese für seine Behandlungsschritte, je nach Erfahrung und manuellen Schwerpunkten behandelt er mit unterschiedlichen Methoden in den ihm wichtig erscheinenden Bereichen (pariatal, viszeral, cranial).

Für die osteopathische Behandlung ist nicht allein die Diagnose wichtig sondern das Gesamtschema des Patienten.

Die Osteopathie ist ein Prozess, die Kommunikation während der manuellen Behandlung mit dem Patienten ist ein nicht standardisierbares Vorgehen. Mentale und psychische Muster sind Teil bei körperlichen Prozessen und deswegen auch bei der osteopathischen Behandlung zu beachten.

Insofern steht die Osteopathie neben und ergänzend zu der fortschreitend industrialisierten Medizin, die für die jeweiligen Krankheitsbilder nur mit Standards, Behandlungsplänen, Medikations- Diagnose- u. Op- Richtlinien funktionieren kann.

Dementsprechend kann eine osteopathische Behandlung bei derselben Diagnose bei jedem Patienten unterschiedlich sein – jeder Osteopath behandelt nach seinem Konzept. Es gibt ähnliche Behandlungsweisen, aber keiner macht das Selbe.

In diesem Sinne ist jede osteopathische Behandlung eine Vorgehensweise, die schrittweise überprüft werden muss. Welches Ergebnis haben die einzelnen Behandlungen, wie ist die Kommunikation mit dem Patienten, wie weit kann sich der Patient auf die Behandlung einlassen, ist meine Methode und Rangehensweise das Richtige für die Problematik des Patienten? Diese Fragen müssen bei jeder Behandlung gestellt werden. Neben der beruflichen Qualifikation ist ein guter Osteopath daran zu erkennen, dass er sich von diesen Fragen leiten lässt.